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MIT KUPFER IN DIE ZUKUNFT?

Gehört das Twisted-Pair-Kabel im Zeitalter der Glasfasertechnologie zum alten Eisen? Mit einer maximalen Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 100 GBase-T bietet der Cat. 8-Standard dem Lichtwellenleiter in bestimmten Einsatzbereichen weiterhin Paroli.

Cat. 8-Kabel sind typische S/FTP (Screened Foiled Twisted Pair) Kabel mit 4 verdrillten Aderpaaren, die jeweils über eine eigene Folienabschirmung verfügen. Um einen optimalen Schutz vor elektromagnetischer Strahlung zu gewährleisten, umschließt zusätzlich eine Geflechtschirmung aus Draht alle Aderpaare.

Es findet eine Unterteilung in Cat. 8.1 (Link-Klasse-1) und Cat. 8.2 (Link-Klasse-2) statt, wobei beide Varianten über eine maximale Übertragungsfrequenz von 2000 MHz verfügen. Dabei basiert der nach IEC 61156-9 normierte Cat. 8.1-Standard auf der Cat. 6A-Klasse (500 MHz), deren Komponenten für Frequenzen von bis zu 2000 MHz optimiert wurden.

Übertragungsstandards mit besonders hohen Bandbreiten (z.B. 25 GBase-T, 40 GBase-T und 100 GBase-T) spielen bei der Verkabelung im Tertiärbereich üblicherweise keine große Rolle. Das primäre Einsatzgebiet liegt in Rechenzentren: Hier kann der Cat. 8-Standard in einigen Anwendungsszenarien durchaus mit den Lichtwellenleitern mithalten.

Standard für spezielle Einsatzbereiche

Cat. 8.1 ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 40 GBit/s, die allerdings nur auf einer Kabeldistanz von höchstens 30 Metern wirklich nutzbar sind. Da für viele Anwendungsbereiche eine Übertragungsgeschwindigkeit von 25 GBit/s ausreicht, lässt sich bei dieser reduzierten Datenrate die maximale Kabellänge auf bis zu 50 Meter ausdehnen.

Dennoch ist durch diesen Umstand die Verwendung von Cat. 8-Kabeln nur eingeschränkt möglich – Einsatzmöglichkeiten im tertiären Bereich scheiden faktisch aus. Für den Einsatz in Rechenzentren sind die vergleichsweise kurzen Kabellängen jedoch meistens ausreichend.

Es ist offensichtlich, dass es sich beim Cat. 8.1-Standard nicht um ein Produkt für die breite Masse handelt, sondern um ein hoch spezialisiertes Kabel für selektive Anwendungsgebiete.

Allerdings kann dem Standard durchaus eine Schlüsselrolle bei der Migration zu mehr Leistung zukommen. Gerade in gewachsenen IT-Strukturen in kleinen bis mittelgroßen Rechenzentren, in denen noch keine LWL-Verkabelung installiert wurde, ist der Einsatz von Cat. 8.1 eine sinnvolle Alternative.

Um beispielsweise ein neues Server-Rack mit 25 GBit/s innerhalb einer vorhandenen IT-Umgebung auf 40 GBit/s aufzurüsten, kann einfach die vorhandene Kupferinfrastruktur weiter genutzt werden und eine kostspielige Umstellung auf Glasfaserleitungen entfällt. Auch bei der Verkabelung im Rack-Interconnect-Bereich oder von einzelnen Netzwerkkomponenten (z.B. Switches oder Routern) kann Cat. 8.1 seine Vorteile ausspielen. Ebenfalls möglich ist eine Verwendung im Backbone-Bereich oder bei der Verbindung von Etagenverteilern.

Ein eher theoretischer Vorteil von Cat. 8.1 ist die PoE-Unterstützung, was die Stromversorgung von kompatiblen Geräten direkt über das Netzwerkkabel ermöglicht. In Rechenzentren kommt dieser Vorteil allerdings – mangels PoE-fähiger Geräte –  nicht zum Tragen.

Bei 40 GBit/s muss aber noch nicht Schluss sein: In der Kupferader schlummert durchaus noch Potential für deutlich höhere Bandbreiten. Es wird bereits daran geforscht, Geschwindigkeiten von 50 GBit/s oder sogar 100 GBit/s zu realisieren. Um diese Leistung zu erreichen, wird voraussichtlich ein vierpaariges symmetrisches, geschirmtes Kupferkabel benötigt.

01.02.2022